Die offizielle Arbeitslosenquote Brasiliens lag 2006 bei 9,6%. Diese Statistiken erfassen jedoch lediglich den Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung, die vor dem Verlust ihrer Arbeit eine sozialabgabepflichtige Anstellung mit Arbeitsbuch (carteira de trabalho) hatten. Erst eine Anstellung mit Arbeitsbuch berechtigt zum Bezug von Arbeitslosenunterstützung. Dies sind jedoch gerade einmal 42% der mehr als 96 Millionen erwerbsfähigen Menschen in Brasilien, während 58%, also 55 Millionen, im informellen Sektor beschäftigt sind und sich somit dieser Statistik entziehen. Der Anteil des informellen Sektors am Gesamtverdienst aller Erwerbstätigen beträgt nur ein Drittel.
Von drei Firmen in Brasilien arbeiten zwei informell. Dazu gehören die mehr als 10 Millionen Kleinstfirmen (microempresas) die fast 14 Millionen Menschen beschäftigen. Das sind 98% aller Kleinstfirmen in urbanen Zentren. 88% dieser Firmen sind Selbständige oder neudeutsch „Ich-AGs“. Der Selbstständigkeit gehen 28% der urbanen Beschäftigten nach. Die informellen Arbeiter verfügen zwar über keine soziale Absicherung, verdienen jedoch nicht selten deutlich besser als das im formellen Sektor der Fall wäre (Zweidrittel verdient mehr als 2000 Real monatlich).
Dieser riesige informelle Sektor wuchs insbesondere in den 90er Jahren immens an, da die brasilianische Wirtschaft durch Privatisierung und Restrukturierung mehr als 1 Million Arbeitsplätze im industriellen Sektor und mehr als 4 Millionen in der Landwirtschaft verlor. Die wegrationalisierten Arbeitskräfte wurden hauptsächlich vom Dienstleistungssektor absorbiert. Die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich stieg von weniger als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung 1985 auf schon 59% im Jahre 1996 und auf mehr als Zweidrittel der Beschäftigten 2003. Der Dienstleistungssektor hat mit einem Anteil von 25% nach dem Bausektor den niedrigsten Anteil von Arbeitern mit Arbeitsbuch, also formellen und damit sozial abgesicherten Beschäftigten. |