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Einleitung

Eigentlich ist ein informeller Arbeiter allein schon dadurch als illegal zu betrachten, weil er keiner staatlich registrierten Beschäftigung nachgeht. Da die Politik jedoch kaum Alternativen zu dieser Beschäftigungsform bieten kann, ist sie gezwungen den informellen Sektor in Teilen zu tolerieren und zu legalisieren um das Gesamtproblem überhaupt irgendwie in den Griff zu bekommen. (siehe >>> Politik und Verwaltung > Legitimation von Teilen des informellen Sektors)

So werden erst all diejenigen von den Stadtverwaltungen als illegal angesehen, die sich dieser Ordnung durch den Staat entziehen. Dies geschieht meist aus Gründen besserer Verdienstmöglichkeiten an entweder nicht freigegebenen Orten oder nicht erhaltener Lizenzen für bestimme Lokalitäten. Darüber hinaus gibt es jedoch weitere und vor allem schwerwiegendere Formen der Illegalität bis hin zur Kriminalität.

Warenpiraterie

Typische für wirtschaftlich weniger entwickelte Staaten ist die große Produktion und der flächendeckende Vertrieb von Pirateriewaren insbesondere im Bereich der Unterhaltungsmedien Musik, Film und Videospiele sowie bei Software. Ermöglicht wurde dieser Markt durch die zunehmende Erschwinglichkeit von Reproduktionshardware wie CD/DVD-Brennern und der rasant fortschreitende Verbreitung des Internets. Mit relativ geringem Investitionskapital können enorme Gewinne erwirtschaftet werden. Dies führt zu sehr hohen Umsätzen und damit gleichzeitig zu einer komplexen Verquickung mit staatlichen Organen durch Korruption um den Markt abzuschotten und Vertriebswege zu sichern. Hinzu kommt noch der Aspekt des Schmuggels, da viele Pirateriewaren aus südamerikanischen Nachbarländern und Asien über ein komplexes illegales Netzwerk importiert werden bevor sie beim Endverbraucher landen.

Es stellt sich zudem bei diesem Thema die polemische Frage welchen Nutzen und damit welches wirkliche Interesse Regierungen von Schwellenländer davon haben gegen diesen Markt vorzugehen, der einen nicht unerheblichen Teil ihrer Wirtschaftsleistung ausmacht, Menschen ohne Staatsausgaben Beschäftigung verschafft und im Falle von professioneller Software den Bürgern sogar zusätzliche Einnahmequellen ermöglicht

Handel mit Diebesgut

Ein weitere kriminelle Form innerhalb des informellen Sektors stellt der Handel mit geklauten Waren dar. So werden auf den Einfallsstraßen der großen Metropolen Brasiliens des Öfteren LKWs überfallen und ganze Warenladungen geplündert, die dann auf den informellen Markt gelangen. Die Bedeutung von Diebesgut unter den gehandelten Produkten wird jedoch oft stark übertrieben dargestellt. Zwar gibt es keine verlässlichen Zahlen über den Anteil von Hehlerware unter den kommerzialisierten Produkten, gemessen am Gesamtwarenvolumen das durch Straßenhändler umgesetzt wird kann sie aber keine übermäßige Rolle spielen. Hauptwarenbezugspunkte der Straßenhändler in Rio de Janeiro sind der Großmarkt in Madureira und die Läden am Hauptbahnhof Central do Brasil (siehe auch >>> interaktiver Stadtplan > Wareneinkauf)

Verflechtung des formellen mit dem informellen Handel

Viel bedeutender als bei den Straßenhändlern selbst, die nur die unterste Stufe in der Hierarchie des informellen Wirtschaftssystems darstellen, ist der fließende Übergang zwischen formellem und informellem Handel. Da Politik und Verwaltung die Probleme die der informelle Handel den legalen Geschäften bereitet für diese meist nicht zufrieden stellend lösen können, arrangieren sich oftmals formeller und informeller Handel (zu den Problemen des formellen Handels siehe >>> Politik und Verwaltung). Um die entstehenden Einnahmeverluste auszugleichen, haben einige Geschäfte in Stadtgebieten mit einer sehr hohen Straßenhändlerdichte neben ihrem offiziellen Verkaufspersonal im Laden zusätzlich „informelle Angestellte“ die auf Straße zu etwas günstigeren Preisen die gleichen Produkte für ein meist ärmeres Klientel verkaufen. Der Laden dient in diesem Falle gleichzeitig als Depot und ermöglicht den Geschäftsleuten Verkäufe an der Steuer vorbei.

Der Handel „unter der Hand“ hat in Brasilien schon eine gewisse Tradition, da sich der „formelle“ Handel schon oft schnell und flexibel den strukturellen Gegebenheiten und Veränderungen anpassen musste. Mitte der 90er Jahre beispielsweise war die brasilianische Wirtschaft von einer Hyperinflation von bis zu 1000% betroffen. Die damaligen Regierungen versuchten durch das einfrieren der Preise diese einigermaßen stabil zu halten. Um den dadurch entstehenden Verlusten zu entgehen war es damals in vielen Geschäften gang und gäbe das viele Artikel aus den Regalen verschwanden und diese nur auf Anfrage gegen harte Währung hinter der Ladentheke verkauft wurden.

Informalität im industriellen Sektor

Industrielle Sektor ist mehr und mehr unentbehrlicher Bestandteil des Gesamtkonstrukts informeller Sektor. Dies sind zum einen kleinere Firmen, hauptsächlich im Bereich Bekleidung und Nahrungsmittelproduktion, von denen nach Angaben des brasilianischen statistischen Bundesamtes (IBGE) zweidrittel informell arbeiten. Im Bereich Bekleidungsindustrie resultieren diese Firmen zum Beispiel aus der Verlagerung der Produktionskapazitäten großer Textilfirmen von Brasilien in Billiglohnländer. Als die gut ausgebildeten Näherinnen dieser Betriebe plötzlich auf der Straße standen organisierten sie sich und bildeten wie in der kleinen Stadt Novo Friburgo viele kleine (unkontrollierbare) Firmen und bedienten die lokalen Märkte.

Aber selbst große Fabriken produzieren zusätzlich für die informelle Parallelwirtschaft. Dies können Firmen sein, die in Lizenz Markenartikel für internationale Großkonzerne fertigen, aber auch einheimische Produktion. In solchen Betrieben werden illegal zusätzlich Schichten gefahren um den informellen Markt zu versorgen. Durch bessere Maschinenauslastung und dem sich entziehen der Steuer werden illegal hohe Gewinne erwirtschaftet. Indiz hierfür sind die Massen von dem Original identischen industriellen Produkte, die zu deutlich günstigeren Preisen auf der Straße zu erwerben sind.

 
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