Nahezu alle bekannten Sehenswürdigkeiten Rio de Janeiros, wie der Zuckerhut, die weltbekannten Strände von Copacabana und Ipanema, der Corcovado-Berg mit seiner Christusstatue oder die schon fast schon „touristischen“ Armenviertel, die so genannten Favelas (z.B. Rocinha), befinden sich in der überwiegend wohlhabenden Südzone. Die Südzone (Zona Sul) ist eine der vier Verwaltungseinheiten (Süd, Nord, West Zone und Zentrum), in die die Stadt eingeteilt ist. Gleichzeitig steht für die meisten Menschen in Rio de Janeiro allein schon der Begriff Südzone stellvertretend für Wohlstand, obwohl die meisten Reichen schon lange in andere Stadtteile wie Barra de Tijuca abgewandert sind.
Die Stadtteile der Südzone machen nur einen sehr kleinen Teil des gesamten Stadtgebiets oder gar des Großraums (área metropolitana) mit seinen zusammengewachsenen Vorstädten Duque de Caxias (855.000 EW), Nova Iguaçu (830.000), Belford Roxo (480.000), Niterói (476.000), São João de Meriti (466.000) und Nilópolis (150.000) aus. Auch das Erscheinungsbild der Südzone unterscheidet sich stark von dem der anderer Stadtteile und der Vorstädte. Dennoch wäre es falsch zu behaupten, dass die Stadtteile der Südzone nicht typisch für Rio de Janeiro seien.
Der Dokumentarfilm Camelô zielt darauf ab unter Vermeidung der oft in Reportagen gezeigten Orte (insbesondere Stadtteile mit Stränden, oder Armenvierteln an Hängen), ein möglichst authentisches Gesamtbild der Stadt wiederzugeben. Es wird dadurch Bezug auf die Breite der Herkunft der Straßenhändler genommen. So wurden die Protagonisten unter anderem auch nach geografischen Gesichtspunkten ausgesucht.
Carlos Augusto wohnt in einem Mittelschichtstadtteil der Nordzone, Luciana in einem armen Stadtteil der Westzone, Flávio in einem sehr armen Stadtteil in einer der Vorstädte. Alexandre wohnt als einziger in der Südzone, noch dazu in einem Stadtteil der oberen Mittel- bis Oberschicht. Dieser ist jedoch eher unbekannt, da er nicht an einem der Strände liegt. Das Zentrum wird im Film als Ort des Warenein- und -verkaufs vorgestellt.
Die Orte des Wareneinkaufs und deren Weiterverkaufs sind ebenfalls nicht zufällig, sondern von den Straßenhändlern bedacht gewählt. Nur Orte mit günstigen Rahmenbedingungen für entsprechende Waren und die jeweiligen Strategien sichern den Straßenhändlern ihr Einkommen und damit auch das Überleben in einem Land, das nur über ein schwaches staatliches soziales Netz verfügt. |