Zusammenfassung
Ob als Süßigkeitenverkäufer in Linienbussen, als Getränkeverkäufer mit den typischen Styroportruhen oder an den zahllosen Hot-Dog-, Snack- und Warenständen: Straßenhändler gehören zum Stadtbild jeder südamerikanischen Großstadt, so auch dem Rio de Janeiros. Sie machen den Löwenanteil des so genannten „informellen Sektors“ aus, im übertragenen Sinn „Schwarzarbeit“, der in Brasilien weit mehr als die Hälfte der erwerbsfähigen Bevölkerung nachzugehen gezwungen ist. Camelô zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben und Alltag von vier von ihnen: Luciana, Alexandre, Flávio und Carlos Augusto. Dabei wird auch versucht, Gründe für diese Informalität aufzuzeigen einer Form der Arbeit mit der immerhin mehr als 6% des brasilianischen BIP erwirtschaftet werden.
Beweggründe für die Realisation des Films
Das konzeptionelle Gerüst für den Dokumentarfilm Camelô entstand schon zu Beginn meines zweieinhalbjährigen Studienaufenthalts in Rio de Janeiro. Es war mein Ziel einen möglichst tiefen Einblick in das brasilianische Alltagsleben zu erhalten und es zu verstehen. Erreichen wollte ich dies nicht durch den journalistischen Blick von Außen, sondern indem ich mich selbst in ein soziales Umfeld der Stadt integriere: im Studium and der Universität, bei der Arbeit zu seiner Finanzierung, durch meinen Sport und dem Erlernen der Sprache damit verbunden dem kennen lernen der Literatur, der Geschichte, Politik, Wirtschaft, Architektur etc.
Dies stellt die Vorraussetzung der Recherche zum meinem Dokumentarfilm dar, der sich als Gegenentwurf zur klassischen (TV-)Reportage versteht, in welchen sich das Bild Rio de Janeiros auf Copacabana, Ipanema, Fußball, Drogenkriminalität in den Favelas und den Karneval begrenzt. Während die Reportage sich gängiger Klischees, der ewigen, phrasenhaften Wiederholung und der exotischen Wirkung bestimmter Themen bedient, zielt Camelô darauf ab auf ein spezielles sozialökonomisch wichtiges Thema darzustellen und dieses zu analysieren. Auf Wertung wie etwa durch Off-Kommentare wird verzichtet. Weder der exotische Ort noch die außergewöhnliche Geschäftsidee sollen im Vordergrund stehen. Das einzig Einzigartige in Camelô sind vielmehr die Menschen die darin vorkommen. Das Thema selbst ist in jede andere Kultur übertragbar.
Die Auswahl der Protagonisten Luciana, Alexandre, Flávio und Carlos Augusto basiert auf den empirischen Forschungsergebnissen der Wirtschaftsprofessorin Dr. Hildete Pereira de Melo der Bundesuniversität des Staates Rio de Janeiro was soziale Herkunft, Geschlecht, Alter, Einkommen oder Familienstand betrifft. Dennoch stehen sie nicht stellvertretend für DEN Straßenhändler sondern als Individuen mit ihren ganz persönlichen Ansichten zum Thema. In unserer von Zahlen und Statistiken geprägten (Wirtschafts-)Welt wird all zu schnell vergessen, dass sich dahinter Menschen verbergen.
Großer Dank gebührt allen die mich bei der Realisierung des Filmes unterstützt haben. Das sind in erster Linie die Bundesuniversität des Staates Rio de Janeiro in Niterói (Universidade Federal Fluminense), die Hochschule für Technik und Gestaltung Mannheim, die Filmproduktionsfirma Plural Filmes in Rio de Janeiro/Florianópolis sowie Southern Cross Tours & Expeditions in Rio de Janeiro. Darüber hinaus möchte ich den Protagonisten sowie allen Helfern danken, ohne deren unentgeltliche Hilfe und ihren Einsatz dieser Dokumentarfilm bzw. das gesamte Projekt nicht erst gar nicht möglich gewesen wäre. |